NIS2-Checkliste Chemie
Chemieunternehmen kennen Gefährdungsbeurteilungen seit Jahrzehnten — allerdings aus der Welt der Anlagensicherheit, nicht aus der IT. Genau an dieser Nahtstelle setzt NIS2 an: Ein Angriff auf die Leittechnik ist ein auslösendes Ereignis, das in der bestehenden Störfallbetrachtung bisher meist fehlt. Die folgende Reihenfolge führt von der Bestandsaufnahme über die Verzahnung beider Welten bis zum belastbaren Nachweis.
Ihre NIS2-Checkliste für Chemie
- 1
Erstellen Sie ein vollständiges Verzeichnis Ihrer Automatisierungstechnik
Erfassen Sie jede Steuerung, jedes Bediengerät und jede Schnittstelle nach außen, einschließlich Baujahr und Herstellerunterstützung. Ohne dieses Verzeichnis lässt sich keine der folgenden Aufgaben belastbar abschließen.
- 2
Identifizieren Sie alle Verbindungen zwischen Büro- und Anlagennetz
Historisch gewachsene Querverbindungen sind der häufigste Befund in Chemiebetrieben. Suchen Sie gezielt nach Datenexporten in die Warenwirtschaft, Laborschnittstellen und vergessenen Wartungsleitungen.
- 3
Prüfen Sie, ob Ihre Schutzeinrichtungen wirklich getrennt arbeiten
Lassen Sie sich für jede Anlage zeigen, über welchen Weg die Notabschaltung erreichbar ist. Findet sich ein gemeinsamer Zugangspfad mit dem Bediensystem, ist das ein vorrangig zu behebender Mangel.
- 4
Integrieren Sie Angriffsszenarien in die bestehende Gefährdungsbeurteilung
Ergänzen Sie die vorhandenen Betrachtungen um die Frage, welches Schadensbild entsteht, wenn ein Sollwert vorsätzlich verstellt wird. Das Ergebnis gehört in dieselbe Akte wie die übrigen Szenarien.
- 5
Definieren Sie für jede Anlage einen sicheren Zustand ohne Bediensystem
Beschreiben Sie, wie das Personal eine laufende Reaktion beherrscht, wenn die Warte blind ist. Halten Sie fest, wer diese Entscheidung trifft und woran sie erkannt wird.
- 6
Beauftragen Sie eine unabhängige Überprüfung Ihrer Fernwartungswege
Lassen Sie testen, wer sich tatsächlich von außen aufschalten kann und ob jeder Zugriff nachvollziehbar bleibt. Dauerhaft offene Wartungsleitungen sind sofort zu schließen.
- 7
Etablieren Sie ein Freigabeverfahren für Änderungen an Rezepturen
Legen Sie fest, wer eine Anpassung veranlassen darf und wer sie bestätigt. Jede Version muss später rekonstruierbar sein, auch nach einem Personalwechsel.
- 8
Schulen Sie das Wartenpersonal im Erkennen auffälliger Anlagenzustände
Die Schicht bemerkt eine unstimmige Fahrweise oft vor jedem technischen System. Vermitteln Sie, wann ein solcher Verdacht meldepflichtig ist und an wen er geht.
- 9
Stimmen Sie Ihre Meldewege mit Werkfeuerwehr und Behörde ab
Klären Sie vorab, wer das Bundesamt informiert und wer die Immissionsschutzbehörde. Im Ereignisfall bleibt für diese Abstimmung keine Zeit.
- 10
Vereinbaren Sie Mindestanforderungen mit Vorlieferanten und Lohnfertigern
Nehmen Sie Sicherheitszusagen in die Beschaffungsunterlagen auf und fragen Sie sie im laufenden Verhältnis ab. Besonders relevant sind Partner mit direktem Datenzugang.
- 11
Testen Sie den Wiederanlauf nach einem vollständigen Leittechnikausfall
Spielen Sie durch, wie lange es dauert, bis eine Anlage wieder produziert. Die gemessene Dauer ist Ihre reale Kennzahl, nicht die geplante.
- 12
Dokumentieren Sie den erreichten Stand prüffähig
Fassen Sie Verzeichnis, Szenarien, Maßnahmen und Testergebnisse so zusammen, dass ein Außenstehender sie ohne Erläuterung versteht. Genau das verlangt die Aufsicht im Ernstfall.
NIS2-Umsetzung für Chemie
Wir begleiten Sie von der Gap-Analyse bis zur BSI-Registrierung.
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