NIS2-Checkliste Raumfahrt
Im Weltraumsektor entscheidet die erste Weichenstellung über den gesamten Aufwand: Reguliert ist die Technik am Boden, nicht der Flugkörper. Wer diesen Schnitt nicht sauber zieht, plant entweder zu breit oder übersieht Standorte, die gar nicht im eigenen Rechenzentrum stehen. Danach folgt die Frage, wer eigentlich Befehle absetzen kann — und ob sich das später noch nachvollziehen lässt.
Ihre NIS2-Checkliste für Raumfahrt
- 1
Definieren Sie schriftlich, was zu Ihrem Bodensegment gehört
Listen Sie Kontrollzentren, Antennenanlagen, Datenwege und angebundene Rechenzentren einzeln auf. Alles Weitere baut auf dieser Abgrenzung auf.
- 2
Erstellen Sie eine Übersicht aller Antennenstandorte
Halten Sie je Standort fest, wem er gehört, wer ihn betreut und wie er angebunden ist. Standorte im Ausland brauchen dabei besondere Aufmerksamkeit.
- 3
Identifizieren Sie jeden Weg, über den ein Kommando abgesetzt werden kann
Verfolgen Sie die Kette von der Bedienstation bis zur Antenne vollständig. Nebenwege aus Test- und Entwicklungsumgebungen sind der häufigste blinde Fleck.
- 4
Etablieren Sie ein Vier-Augen-Prinzip für kritische Befehle
Legen Sie fest, welche Kommandos eine zweite Bestätigung brauchen. Das schützt zugleich vor Angriff und vor Fehlbedienung.
- 5
Sichern Sie die Aufzeichnung abgesetzter Kommandos gegen Veränderung
Jeder Befehl muss später einer Person und einem Zeitpunkt zuzuordnen sein. Ist dieses Protokoll manipulierbar, ist es im Ernstfall wertlos.
- 6
Prüfen Sie die Verbindung zwischen Station und Kontrollzentrum
Kontrollieren Sie, ob Strecken verschlüsselt und beidseitig authentisiert sind. Gemietete Leitungen sind nicht automatisch geschützt.
- 7
Entwickeln Sie ein Verfahren zur Erkennung von Signalstörungen
Beschreiben Sie, woran das Team eine absichtliche Störung von einem technischen Defekt unterscheidet. Ohne dieses Kriterium wird ein Angriff als Fehlfunktion abgelegt.
- 8
Sichern Sie unbemannte Standorte physisch ab
Zutrittsschutz und Einbruchmeldung gehören auch an abgelegene Antennen. Der direkte Zugriff vor Ort umgeht jede Netzhärtung.
- 9
Begrenzen Sie die Fernzugänge Ihrer Systemlieferanten
Missionssoftware und Antennensteuerung kommen von wenigen Anbietern, oft mit Dauerzugang. Befristen und protokollieren Sie jeden dieser Zugriffe.
- 10
Testen Sie den Übergang auf Ihren Ausweichstandort
Spielen Sie durch, wie die Missionsverantwortung wechselt und wie lange das dauert. Ein ungeübter Übergang ist im Ernstfall keiner.
- 11
Dokumentieren Sie die Abhängigkeit Ihrer Kunden von Ihrem Dienst
An Navigations- und Zeitdiensten hängen ganze Branchen. Diese Breitenwirkung gehört in Ihre Notfallplanung, nicht nur Ihre eigene Verfügbarkeitszusage.
- 12
Klären Sie die zuständige Aufsicht bei grenzüberschreitendem Betrieb
Bei Standorten in mehreren Ländern ist offen, wer im Ereignisfall zu informieren ist. Halten Sie das vorab fest, nicht während der Meldefrist.
NIS2-Umsetzung für Raumfahrt
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